Rheinpfalz / Donnersberger Rundschau – 5. August 2019

„Wie kommt man in guten Schlaf?“

GAUERSHEIM: Jeder Mensch schläft. Manche gut, andere weniger. Doch kaum einer denkt bewusst über seinen Schlaf nach. Karsten Kroll, „Schlafcoach“ aus Gauersheim, beschäftigt sich viel mit eben diesem Thema. Er hat bei einem Speaker-Wettbewerb in Stuttgart teilgenommen, dort über Schlaf gesprochen und prompt gewonnen. Wir haben uns mit ihm unterhalten und ihn nach seinen Tipps gefragt.

Von Lara Christmann

Der 49-jährige Karsten Kroll hat momentan viel um die Ohren: Er leitet zusammen mit einem Freund ein Bettengeschäft, schreibt an einem Buch, baut seine Homepage um und sitzt an der Planungen für zukünftige Projekte rund ums Thema Schlaf. Dennoch wirkte Kroll beim Gespräch mit der RHEINPFALZ entspannt. Ob das vielleicht daran liegt, dass er gut geschlafen habe? „Heute fühle ich mich etwas müde“, gibt Kroll ehrlich zu. „Ich glaube, ich habe einfach zu lange geschlafen“, fügt er an und bekennt sich als Frühaufsteher.

Doch wie kommt ein Mann dazu, sich mit dem Thema Schlaf so intensiv auseinander zu setzen und darüber bei einem Wettbewerb zu sprechen? Zur Auseinandersetzung mit seinem Schlaf kam es eher zufällig. „Ich komme aus dem Leistungssport“, erklärt Kroll. „Radfahren, Ultramarathon“, fügt er hinzu, da spiele Erholung und Regeneration eine große Rolle. Gleichzeitig arbeitete er damals im Rettungsdienst. Er habe ein Studium des Bauingenieurwesens begonnen und zu der Zeit nebenher im Rettungsdienst gearbeitet. Irgendwann war er hauptberuflich dort beschäftigt. So habe er auch im Schichtdienst gearbeitet, was ihn gleichzeitig dazu gezwungen habe, zu unterschiedlichen Zeiten zu trainieren. „Mir ist aufgefallen, dass ich zu manchen Zeiten fitter bin als zu anderen“, ergänzt der 49-Jährige. Also habe er ein Tagebuch über seinen Schlaf und sein Training geführt. Anschließend habe er einen großen Kreis aufgemalt, der für 24 Stunden steht, und so seinen eigenen „zirkadianen Rhythmus“ erstellt, erzählt der Schlafcoach. Dieser zeige, dass der Mensch in 90-Minuten-Rythmen lebt. Und mithilfe seiner Tagebuchaufzeichnungen habe er herausgefunden, zu welchen Zeiten er besonders leistungsfähig sei, erzählt Kroll.

Durch Marketing-Ausbau zum Speaker-Wettbewerb

Leistungssport betreibt Karsten Kroll heute nicht mehr, auch wenn er nach wie vor in seiner Freizeit noch laufen geht. Das Thema Schlaf beschäftigte ihn weiterhin. Es folgte eine berufliche Veränderung: Kroll führt heute zusammen mit einem Bekannten ein Bettengeschäft. „Das passt natürlich mit dem Thema Schlaf auch gut zusammen“, erklärt der Coach und berichtet, wie oft er Menschen begegnet, die sich keine Gedanken um den eignen Schlaf machen.

„Vor zwei Jahren wollten wir den Marketing- und Businessbereich unseres Geschäfts ausbauen“, erzählt der 49-Jährige. Dadurch haben die Geschäftsführer dann Gesundheitsvorträge initiiert. „Als wir dann auf der Suche nach Referenten waren, sagte meine Frau zu mir: ,So etwas wolltest du doch auch schon immer einmal machen’, und sie hatte recht damit“, erzählt Kroll.

So habe er sich schließlich für die Speakerausbildung entschieden und buchte dann ein Seminar bei einem Speaker-Coach in Stuttgart. Es war jenes Seminar im Juni, in dessen Rahmen er auch den Rednerwettbewerb, „Speaker Slam“ genannt, gewonnen hat. Bei dem Wettbewerb habe man exakt fünf Minuten Zeit, das Publikum und die Jury zu überzeugen. Danach werde das Mikrofon ausgeschaltet. Gesprochen hat er über Schlaf und bekam neben dem gewonnenen „Exellence Award“ viele positive Rückmeldungen. Der Award steht heute im Arbeitszimmer des Gauersheimers. Geblieben sind ihm auch die vielen Begegnungen, die ihn zu neuen Projekten inspiriert haben.

Für besseren Schlaf Rituale in den Alltag einbauen

Als Schlafexperte gibt Kroll Seminare, er arbeitet aktuell an einem Buch und plant Podcasts mit verschiedenen Personen. Viele davon hat er in Stuttgart beim Speakerworkshop kennengelernt. Neben Schlaf beschäftigt er sich auch mit Motivation und Fokus. „Viele Menschen heute machen nichts mehr fokussiert. Ständig wird aufs Handy geschaut“, erklärt er.

Wenn Karsten Kroll in Seminaren über Schlaf spricht, dann geht es zum Beispiel um Fragen wie „Wie kommt man in einen guten Schlaf?“. Welchen Tipp der Coach uns hierzu geben kann? „Es ist wichtig, ein Schlafritual zu haben“, erklärt er. Wenn man den Fernseher ausschalte und direkt schlafen gehe, führe das meist nicht zum Erfolg. „Es ist wichtig, erst kurz gedanklich abzuschalten“, fügt er hinzu. Das könne man zum Beispiel mit Meditation erreichen. Oder aber, wenn man den Tagesverlauf durchgeht und sich die positiven Dinge ins Gedächtnis ruft.

Schlaf-Apps hingegen hält Kroll für weniger sinnvoll und zeigt uns seinen Schlaftracker auf dem Smartphone. Dieser zeigte an jenem Morgen nicht unbedingt das an, was er selbst beim Schlafen empfunden habe, erklärt uns der Coach. Statt dem Kauf einer App sollte man lieber ein Schlafritual einführen, rät der Experte.

Quelle
Ausgabe Die Rheinpfalz Donnersberger Rundschau – Nr. 179
Datum Montag, den 5. August 2019
Seite 23

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